Eine Option auf ein stimmiges Grundeinkommen könnte viele der heutigen Probleme lösen.

Die Welt steht vor tiefgreifenden Herausforderungen: Flüchtlingskrisen, prekäre Einkommenssituationen, steigende Arbeitslosigkeit und Umweltprobleme bedrohen den sozialen Zusammenhalt und das ökologische Gleichgewicht. Ein radikaler, aber faszinierender Lösungsansatz besteht darin, jedem Menschen – unabhängig von Herkunft oder Wohnort – eine verbriefte Option auf ein angemessenes Einkommen zu garantieren. Dieses Konzept verspricht viele gegenwärtige und zukünftige Probleme grundlegend zu verändern.

Das Konzept einer verbrieften Einkommensoption

Im Kern geht es nicht darum, dass bei der Geburt bereits eine bestimmte Geldsumme auf einem Konto deponiert wird. Vielmehr handelt es sich um ein vertraglich verbrieftes Grundrecht, das als Option auf ein stimmiges und nachhaltiges Einkommen besteht – von der Geburt bis zum Tode. Diese Option wird erst in Geld umgewandelt, wenn jemand eine angebotene Leistung – sei es der Kauf von Waren oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen – beansprucht. Somit entstehen Einkommen „on demand“ und sind nicht im Vorhinein akkumuliert oder hortbar.

Ein solches Modell bringt mehrere bahnbrechende Vorteile mit sich:

Verhinderung von Machtmissbrauch und Kapitalanhäufung:

Da Einkommen erst im Moment der Leistungserbringung entstehen, können sie nicht gehortet werden. Dadurch wird verhindert, dass große Kapitalmengen zur Machtausübung missbraucht werden. Ohne die Möglichkeit, durch Kapitalzins zusätzliches Einkommen zu generieren, wird das System von spekulativen Geldanlagen entkoppelt.

Entkopplung vom Schuldgeldsystem: Das Einkommen entsteht erst im Zusammenhang mit tatsächlicher Nachfrage. Dadurch wird die Erzeugung von Geld direkt an reale wirtschaftliche Aktivitäten geknüpft, was langfristig zu einem stabileren und gerechteren Wirtschafts- und Geldkreislauf führen könnte.

Förderung nachhaltiger Wirtschaftskreisläufe: Durch die Ausgestaltung des Systems als verbriefte Option wird zugleich eine Bringschuld eingeführt – eine Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft und dem Leistungserbringer. Diese Bringschuld umfasst das Einhalten von Regeln und Vorgaben, die u. a. garantieren sollen, dass jeder Wirtschaftsteilnehmer eine seinem Potenzial entsprechende Teilhabe an der Wertschöpfung erhält und dass nachhaltige Energie- und Rohstoffkreisläufe etabliert werden.

Mehr Freiheit und Selbstbestimmung: Mit einer verbriefen Option auf ein Grundeinkommen hätten Menschen die Möglichkeit, freier zu entscheiden, wann, wo und wie lange sie arbeiten. Die Freiheit von existenziellen Sorgen könnte zudem den Nährboden für Neid, Perspektivlosigkeit und damit verbundene gesellschaftliche Konflikte wie Kriminalität, Kriege und Terrorismus nachhaltig verringern.

Ein solch weitreichender Umbau des Wirtschafts- und Einkommenssystem ist nicht ohne Herausforderungen.

Damit die Idee in der Praxis funktionieren kann, müssen klare Regeln und Vorgaben definiert werden, die sicherstellen, dass:

Jeder Mensch fair an der wirtschaftlichen Leistungserbringung teilnimmt: Die verbriefte Option sollte jedem Wirtschaftsteilnehmer weltweit eine Teilhabe garantieren – angepasst an individuelle Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Nachhaltigkeit gewährleistet wird: Neben ökonomischen Aspekten muss das Modell auch die Sicherstellung eines stimmigen Energie- und Rohstoffkreislaufs sowie eines nachhaltigen (Schuld-) Geld- und Einkommenskreislaufs berücksichtigen.

Innovative und lokale Wertschöpfung gefördert wird: Die Einführung eines solchen Systems könnte Anreize schaffen, vor Ort, in den einzelnen Ländern und Gesellschaften, innovative Lösungsansätze zu entwickeln – statt auf global angesammelten Reichtum und zentrale Steuerung zu setzen.

Der Schlüssel liegt in der Balance: Einerseits muss sichergestellt werden, dass das System allen Menschen einen gerechten Zugang zu Ressourcen ermöglicht, andererseits darf nicht außer Acht gelassen werden, dass auch Pflichten und Verantwortlichkeiten entstehen. Wer Leistungen in Anspruch nimmt, generiert gleichzeitig eine Bringschuld gegenüber der Gemeinschaft – eine Verpflichtung, die dazu beiträgt, das System am Laufen und nachhaltig zu halten.

Das verbriefte Grundeinkommen in Form einer Option könnte als Grundbaustein für ein neu organisiertes Wirtschaftssystem dienen, das auf Fairness, Nachhaltigkeit und gemeinschaftlicher Verantwortung beruht. Indem ökonomische Macht dezentralisiert und in den Dienst der gesamten Menschheit gestellt wird, ließe sich der Nährboden für viele aktuelle Probleme – von Armut über Arbeitslosigkeit bis hin zu Umweltzerstörung – deutlich reduzieren.

Natürlich bedarf es hierfür einer globalen Kooperation und einer tiefgreifenden Reform bestehender wirtschaftlicher und politischer Strukturen. Die Umstellung auf ein System, in dem Einkommen „fiktiv“ entsteht und unmittelbar mit realen Leistungen verknüpft ist, erfordert einen kulturellen und institutionellen Wandel. Dabei muss sichergestellt werden, dass niemand zurückgelassen wird und dass die Regeln zur gemeinsamen Nutzung und Weiterentwicklung der Wirtschaft von allen getragen werden.

Fazit

Die Idee, jedem Menschen eine verbriefte Option auf ein stimmiges Grundeinkommen zu gewähren, bietet einen innovativen Ansatz, um drängende globale Probleme nachhaltig zu lösen. Durch die Entkopplung von traditionellen Kapitalstrukturen, die Förderung nachhaltiger Wirtschaftskreisläufe und die Einführung einer gemeinschaftlichen Bringschuld könnten Armut, Ungleichheit und Umweltzerstörung langfristig bekämpft werden. Es bleibt jedoch eine der entscheidenden Fragen: Wie lässt sich ein solches System global implementieren und gerecht gestalten? Die Antwort darauf mag nicht einfach sein – doch angesichts der bestehenden Krisen lohnt es sich, neue Wege zu denken und zu erproben.

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