Ich habe den Eindruck, dass die Informationen, die uns erreichen, gefiltert werden – nach Systemrelevanz und Systemkonformität. Dies betrifft nicht nur die Nachrichten, sondern auch das heutige Bildungsgut.
Können wir uns wirklich noch darauf verlassen …?
- … dass Schulen und Universitäten uns objektiv und umfassend über die wirklich wichtigen Fragen des Lebens aufklären?
- … dass die Medien uns breitflächig, tiefgründig und unabhängig informieren?
Beispiel Bildung:
In Schulen und Universitäten wird bis heute kaum gelehrt, wie Geldsysteme wirklich funktionieren, welche Folgen Schuldenmechanismen für Gesellschaften haben oder wie Energie im Sinne natürlicher Kreisläufe organisiert werden könnte. Stattdessen dominiert ein Kanon an Fakten, der zwar prüfbar, aber oft lebensfern ist. Kritisches Wissen über Machtstrukturen, ökonomische Abhängigkeiten oder ökologische Zusammenhänge bleibt Randthema.
Beispiel Medien:
Auch in den Nachrichten begegnen wir häufig denselben Mustern: Wirtschaftskrisen werden auf einzelne politische Fehlentscheidungen reduziert, statt auf das System von Schulden, Spekulation und Machtasymmetrien. In der Energiepolitik wird über Preise, Subventionen und Klimaziele gesprochen, während grundsätzliche Fragen zur Ressourcenschonung oder zu zirkulären Energiesystemen kaum vorkommen.
So entsteht eine Informationslandschaft, die eher Symptome beschreibt als Ursachen.
Unerwünschtes Wissen?
Es drängt sich die Frage auf: Ist eine objektive und tiefgehende Aufklärung seitens der Medien überhaupt gewollt? Oder sind wir selbst Teil des Problems – durch Bequemlichkeit, Interessenlosigkeit oder die vielen Rollenkonflikte, die unsere jeweilige gesellschaftliche Position mit sich bringt?
Beispiel Alltag:
Viele Menschen wissen durchaus, dass Konsum und Ressourcenverbrauch mit großen ökologischen Schäden verbunden sind. Doch Bequemlichkeit und eigene Vorteile führen oft dazu, dass dieses Wissen verdrängt wird. Man weiß um den Schaden, akzeptiert ihn aber stillschweigend, solange das eigene Leben bequem bleibt.
Wenn Wissen von den Bürgern ausgeht
Was aber geschieht, wenn die Quellen des Wissens, die Orte seiner Verbreitung, die Kanäle der Nachrichtenaufnahme und -weitergabe künftig direkt von den Bürgerinnen und Bürgern ausgehen – und nicht länger von einer kleinen Gemeinschaft von Lobbyisten vorgefiltert werden?
Dann wird die Wissensvermittlung vielfältiger, objektiver und tiefgründiger.
Die logische Folge: Ein neues, reichhaltiges Gedankengut entsteht, das viele Ideen und Konzepte hervorbringt, um die großen Aufgaben dieser Welt zu bewältigen.
Beispiel digitale Wissensplattformen:
Bereits heute gibt es Versuche, Wissen dezentral zu organisieren – in offenen Datenbanken, kollaborativen Projekten oder über Bürgerinitiativen. Diese Ansätze sind noch jung, aber sie zeigen, welches Potenzial in einer von unten kommenden Wissenskultur liegt.
Demokratie braucht Vielfalt des Wissens
Demokratische Entscheidungen in offenen Gesellschaften setzen ein solches Fundament voraus:
- fundiertes Wissen,
- tiefgehende Aufklärung und
- eine vielfältige Informationskultur.
Politisch wesentliche Entscheidungen sollten nicht aus der Ideologie einer Partei oder Institution hervorgehen, sondern aus den Ergebnissen eines offenen, fortlaufenden Wettbewerbs der Argumente.
Beispiel Energiepolitik:
Statt Lobbyinteressen einzelner Industrien den Kurs bestimmen zu lassen, könnte eine offene, faktenbasierte Diskussion zu völlig neuen Lösungen führen – etwa zu Energiesystemen, die auf Kreisläufen und Mehrfachnutzung beruhen, anstatt immer neue Ressourcen zu verbrauchen.
Ursachen statt Symptome
Die Ursachen der heutigen Krisen, die ständig neue Missstände hervorbringen, müssen ungeschönt auf den Tisch. Bürgerinnen und Bürger – in Europa wie weltweit – haben ein Recht zu erfahren, warum die Probleme Tag für Tag größer werden.
Beispiel Finanzsystem:
In der Eurokrise wurde der Eindruck erweckt, die Schuld liege vor allem bei einzelnen Staaten, die „über ihre Verhältnisse“ gelebt hätten. Die eigentliche Ursache – ein strukturell instabiles Schuldgeldsystem – wurde kaum diskutiert. Folglich wurden auch keine grundlegenden Reformen angestoßen.
Fazit
Die heutigen Missstände und Krisen innerhalb und zwischen Gesellschaften sind eng mit einer gefilterten Informationspolitik verknüpft. Solange Bürgerinnen und Bürger nicht vielfältig, tiefgründig und ungeschönt informiert werden, fehlt die Grundlage für Aufklärung – und damit für echte, demokratische Gestaltung.