JiT-Einkommen – Ein neuer Ansatz für Geld, Nachfrage und reale Wertschöpfung

Die Diskussion um Grundeinkommen, Geldschöpfung und wirtschaftliche Stabilität wird seit Jahren von der Frage geprägt, wie ein System aussehen kann, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt, ohne neue Verschuldung zu erzeugen. Das Konzept des JiT-Einkommens („Geld just in Time“) versucht genau hier anzusetzen: Geld entsteht nicht mehr primär durch Kreditvergabe, sondern durch den tatsächlichen Bedarf des Menschen nach realen Leistungen.

Vom statischen Geld zum aktivierten Geld

Im Zentrum des Modells steht ein ansteigendes Grundeinkommen, das jedem Menschen von Geburt an zusteht. Dieses Einkommen wird jedoch nicht als dauerhaft umlaufender Geldbetrag ausgezahlt. Stattdessen handelt es sich um ein potenzielles monetäres Kontingent – ein individuelles Zugriffsrecht auf wirtschaftliche Leistungen. Erst wenn eine reale Leistung nachgefragt wird, wird das JiT-Einkommen aktiviert und direkt an die beteiligten Wertschöpfungsprozesse weitergeleitet.

Dadurch verändert sich die Rolle des Geldes grundlegend: Es ist nicht länger ein statischer Besitz, sondern ein dynamischer Auslöser von Produktion und Versorgung.

Der Mensch als Ursprung der Geldaktivierung

Ein wesentlicher Unterschied zum heutigen System liegt in der Frage, wo Geld entsteht. Während gegenwärtig ein Großteil der Geldmenge durch kreditbasierte Prozesse und Verschuldung geschaffen wird, verlagert das JiT-Modell die Aktivierung des Geldes auf den Menschen selbst. Nachfrage wird zur zentralen Quelle wirtschaftlicher Bewegung. Jede Bürgerin und jeder Bürger aktiviert sein Einkommen nur dann, wenn eine Leistung tatsächlich benötigt wird.

Der Mensch übernimmt damit eine neue Rolle: nicht als Schuldner, sondern als auslösende Instanz wirtschaftlicher Prozesse. Geld folgt nicht mehr der Verschuldung, sondern der realen Nutzung.

Direkter Fluss in die reale Wirtschaft

Ein weiterer Kernaspekt des JiT-Einkommens ist der unmittelbare Geldfluss in die Wertschöpfungskette. Sobald eine Leistung gekauft wird, wird der entsprechende Betrag just in Time den beteiligten Unternehmen und Produzenten zugeführt. Gleichzeitig wird das Geld nicht dauerhaft im Umlauf gehalten, sondern gleicht sich im selben Prozess wieder aus.

Diese Struktur soll verhindern, dass sich Geldmengen von der realen Produktion entkoppeln. Stattdessen entsteht ein enger Zusammenhang zwischen Bedarf, Leistung und wirtschaftlicher Aktivität.

Ohne Verschuldung – ohne Zinsdynamik

Da im JiT-Modell keine kreditbasierte Geldschöpfung notwendig ist, entfällt auch die klassische Zinsdynamik, die im bestehenden System häufig zu Wachstumsdruck und Vermögenskonzentration führt. Geld wird nicht durch Schuld generiert, sondern durch die tatsächliche Nutzung wirtschaftlicher Leistungen. Das Ziel ist ein stabileres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, ohne strukturelle Verschuldung.

Ein Perspektivwechsel für Wirtschaft und Gesellschaft

Das JiT-Einkommen versteht sich weniger als klassische Sozialleistung, sondern als grundlegende Neuorganisation des Geldflusses. Es verschiebt den Fokus von Kapitalbereitstellung hin zu realer Versorgung und setzt auf einen direkten Zusammenhang zwischen menschlichem Bedarf und wirtschaftlicher Aktivität.

Ob ein solches Modell praktisch umsetzbar ist, bleibt Gegenstand gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Debatten. Klar ist jedoch: Der Ansatz fordert dazu auf, Geld nicht länger als knappes Gut zu betrachten, das über Schulden verteilt wird, sondern als Werkzeug, das durch den Menschen selbst aktiviert wird – genau dann, wenn reale Wertschöpfung entsteht.

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