Wenn ich über die Zukunft unseres Wirtschafts- und Geldsystems nachdenke, komme ich immer wieder zu einer grundlegenden Frage:
Wie schaffen wir dauerhaften Wohlstand, ohne dass sich Bürger, Unternehmen und Staaten immer weiter verschulden müssen?
Unser heutiges Geldsystem basiert überwiegend auf Kredit. Neue Kaufkraft entsteht in erster Linie durch neue Schulden. Mit jeder Kreditaufnahme entstehen gleichzeitig neue Zins- und Kapitaldienstforderungen, die dauerhaft bedient werden müssen. Dadurch wächst der Druck auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft von Jahr zu Jahr.
Genau an diesem Punkt setzt das JiT-Einkommen (Just-in-Time-Einkommen) an. Es bildet innerhalb der 60/30/10-Regel IKS einen zentralen Baustein eines Wirtschafts- und Geldsystems, das Kaufkraft, Leistung und Einkommen wieder direkt miteinander verbindet. Das Ziel ist mehr Stabilität, weniger Verschuldung, stärkere regionale Wirtschaftskreisläufe und eine nachhaltige Sicherung des Wohlstands.
Kaufkraft entsteht bedarfsorientiert
Das JiT-Einkommen stellt Kaufkraft genau dann bereit, wenn reale Güter und Dienstleistungen nachgefragt werden.
Geld gelangt dadurch nicht mehr dauerhaft und ungesteuert in den Wirtschaftskreislauf, sondern orientiert sich unmittelbar am tatsächlichen Bedarf der Menschen.
Ähnlich wie moderne Produktionssysteme Materialien erst dann bereitstellen, wenn sie benötigt werden, stellt das JiT-Einkommen Kaufkraft genau zum Zeitpunkt der Nachfrage bereit.
Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen:
- Bedarf,
- Kaufkraft,
- Produktion,
- Leistung,
- Einkommen.
Geld erfüllt damit wieder seine eigentliche Aufgabe: Es organisiert wirtschaftliche Leistungen, anstatt selbst zum dominierenden Wirtschaftsgut zu werden.
Die Rolle des JiT-Einkommens innerhalb der 60/30/10-Regel IKS
Die 60/30/10-Regel IKS ordnet die Verteilung des Volkseinkommens neu.
- 60 Prozent dienen der Einkommensversorgung der Bevölkerung.
- 30 Prozent finanzieren staatliche Aufgaben und die öffentliche Infrastruktur.
- 10 Prozent bilden den leistungsabhängigen Bereich für zusätzliches Einkommen, Gewinne, Innovationen und unternehmerische Leistungen.
Das JiT-Einkommen organisiert den Zugang zu den 60 Prozent des Volkseinkommens.
Jeder Bürger erhält dadurch einen gesicherten Anteil an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Gesellschaft. Dieser Anspruch wird jedoch nicht pauschal ausgezahlt, sondern bei tatsächlichem Bedarf aktiviert und direkt in reale Wertschöpfungsprozesse gelenkt.
Damit entsteht eine stabile Einkommensbasis, ohne dass ständig neue Schulden aufgenommen werden müssen.
Entschuldung von Bürgern, Unternehmen und Staat
Das JiT-Einkommen reduziert den Bedarf an kreditfinanzierter Kaufkraft.
Die Gesellschaft insgesamt – also Staat, Unternehmen und Bürger – muss sich deutlich weniger verschulden, um ihre Aufgaben zu erfüllen, Produktionsprozesse aufrechtzuerhalten und die Grundbedürfnisse der Menschen zuverlässig zu sichern.
Unternehmen benötigen weniger Fremdkapital, um Investitionen zu tätigen, Produktionsabläufe zu finanzieren und ihre Waren sowie Dienstleistungen erfolgreich am Markt abzusetzen. Gleichzeitig verfügen die Bürger über eine stabile Kaufkraft, wodurch die Nachfrage stärker an den realen Bedarf gekoppelt wird. Mit der Folge: der Finanzierungsdruck auf allen Ebenen der Gesellschaft sinkt.
Dadurch entsteht ein schrittweiser Entschuldungsprozess:
- Bürger können Schulden schneller abbauen.
- Unternehmen reduzieren ihre Kreditabhängigkeit.
- Staaten entlasten ihre Haushalte und können sich entschulden.
- Die gesamte Volkswirtschaft wird dadurch stabiler.
Die Abhängigkeit vom Schuldgeldsystem nimmt ab.
Stärkung regionaler Wertschöpfung
Ein besonderer Vorteil des JiT-Einkommens liegt in der Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe.
Die bereitgestellte Kaufkraft fließt unmittelbar in den Alltag der Menschen. Sie wird beim Bäcker, im Handwerksbetrieb, im Café, im Einzelhandel oder bei regionalen Dienstleistern eingesetzt.
Davon profitieren insbesondere:
- Handwerksbetriebe,
- Einzelhändler,
- regionale Produzenten,
- Dienstleister,
- Gastronomie,
- Kulturschaffende,
- Klein- und Kleinstunternehmen.
Regionen gewinnen dadurch wirtschaftliche Stabilität und neue Entwicklungsmöglichkeiten aus eigener Kraft.
Leistung bleibt ein zentraler Bestandteil
Das JiT-Einkommen ersetzt keine Leistungsgesellschaft.
Im Gegenteil: Es schafft die Grundlage dafür, dass Leistung wieder stärker aus eigener Motivation, Kreativität und unternehmerischem Handeln entsteht.
Wer mehr leisten möchte, wird weiterhin höhere Einkommen erzielen. Innovationen, besondere Leistungen und unternehmerischer Erfolg bleiben ausdrücklich erhalten und werden über den 10-Prozent-Anteil der 60/30/10-Regel IKS stimuliert und honoriert.
Das JiT-Einkommen schafft Sicherheit, das 10-prozentige Leistungseinkommen schafft nachhaltigen Wohlstand.
Beides ergänzt sich.
Ein neues Verständnis von Wohlstand
Wohlstand entsteht nicht durch immer höhere Verschuldung und immer größere Geldvermögen.
Wohlstand entsteht dort, wo Menschen ihre Fähigkeiten entfalten können, Unternehmen reale Werte schaffen und die Gesellschaft ihre natürlichen und wirtschaftlichen Grundlagen erhält und weiterentwickelt.
Das JiT-Einkommen verbindet Kaufkraft unmittelbar mit realer Nachfrage und realer Wertschöpfung. Zusammen mit der 60/30/10-Regel IKS entsteht ein Wirtschafts- und Geldsystem, das Einkommen, Leistung und gesellschaftliche Stabilität in ein neues Gleichgewicht bringt.
Es schafft:
- stabile Einkommen,
- geringere Verschuldung,
- stärkere regionale Wirtschaft,
- weniger Bürokratie,
- mehr wirtschaftliche Sicherheit,
- bessere Zukunftsperspektiven für kommende Generationen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob wir uns einen solchen Wandel leisten können.
Die entscheidende Frage lautet: Wie lange können wir es uns noch leisten, an einem System festzuhalten, das seine Kaufkraft überwiegend durch immer neue Schulden erzeugt?
Eckhard Bock
IKS Hessen – Neue Ideen für eine neue Politik