Das Ende des fossilen Zeitalters – und warum unser Geldsystem an seine Grenzen stößt

Nach meiner Überzeugung wird den Menschen noch immer nicht ausreichend verdeutlicht, welche tiefgreifenden Folgen das Ende des fossilen Zeitalters für unsere Wirtschaft und unser Geldsystem haben wird.

Über mehr als ein Jahrhundert waren günstige fossile Energieträger die Grundlage des weltweiten Wirtschaftswachstums. Kohle, Erdöl und Erdgas ermöglichten eine immer höhere Produktivität, steigenden Wohlstand und ein nahezu grenzenlos erscheinendes Wachstum. Sie waren der eigentliche Motor der industriellen Entwicklung.

Doch dieses Zeitalter geht – langsam, aber sicher – seinem Ende entgegen.

Mit ihm gerät auch jenes Finanzsystem unter Druck, das auf dauerhaftem Wachstum und ständig steigender Wertschöpfung beruht. Denn unser heutiges Kreditgeldsystem funktioniert nur dann reibungslos, wenn fortlaufend neue Kredite aufgenommen werden, die Investitionen ermöglichen, Einkommen schaffen und wirtschaftliche Aktivität auslösen.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Auch die internationale Bedeutung des US-Petro-Dollars beruhte jahrzehntelang auf der dominierenden Rolle des Erdöls im Welthandel. Verändert sich die globale Energiewirtschaft grundlegend, verändert sich langfristig auch das Fundament der heutigen Finanzordnung.

Wachstum stößt an reale Grenzen

Unser heutiges Schuldgeldsystem ist auf stetiges Wachstum angewiesen. Der Zins- und Zinseszinseffekt verlangt letztlich eine ständig wachsende Wirtschaftsleistung, damit bestehende Verpflichtungen dauerhaft bedient werden können.

Doch genau dieses Wachstum stößt zunehmend an natürliche Grenzen:

  • knapper werdende Rohstoffe,
  • steigende Energiekosten,
  • Umwelt- und Naturschutz,
  • der Schutz unserer Biosphäre,
  • begrenzte Ressourcen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Wie soll ein dauerhaft wachstumsabhängiges Finanzsystem funktionieren, wenn die physikalischen Grundlagen dieses Wachstums immer begrenzter werden?

Das eigentliche Fundament unseres Geldsystems

In unserem heutigen Geldsystem entstehen neue Zahlungsmittel überwiegend durch Kreditvergabe.

Unternehmen nehmen Kredite auf, investieren, produzieren Waren und Dienstleistungen und zahlen daraus Löhne, Gehälter und Gewinne. Über diese Einkommen entsteht wiederum Kaufkraft, mit der produzierte Güter gekauft und Kredite zurückgeführt werden können.

Das bedeutet: Neue Kredite schaffen zusätzliche Kaufkraft, während Einkommen letztlich dazu dienen, diese Kredite wieder zu bedienen.

Solange ausreichend rentable Investitionen, günstige Energie und verfügbare Rohstoffe vorhanden sind, funktioniert dieses System vergleichsweise stabil.

Doch genau diese Voraussetzungen verschlechtern sich zunehmend.

Wenn Geld aus den Wirtschaftskreisläufen verschwindet

Hinzu kommt ein weiterer Mechanismus.

Werden erhebliche Geldvermögen dauerhaft angespart oder überwiegend zur Vermögensvermehrung verwendet, fehlt dieses Geld zunächst im laufenden Wirtschaftskreislauf.

Sinkt dadurch die Nachfrage, müssen andere Wirtschaftsteilnehmer diese Lücke schließen – meist durch neue Kredite.

Dadurch wachsen sowohl die Gesamtverschuldung als auch die Vermögenskonzentration.

Die Kaufkraft verteilt sich immer ungleicher.

Für Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, ihre Produkte abzusetzen. Gewinne schrumpfen, Eigenkapital geht verloren und die Kreditwürdigkeit sinkt.

Die Folgen lassen sich vielerorts beobachten: Geschäftsaufgaben, Unternehmensinsolvenzen, Leerstände in Innenstädten und eine zunehmende wirtschaftliche Konzentration auf wenige große Marktteilnehmer.

Immer mehr Arbeit – aber immer weniger tragfähige Finanzierung

Dabei mangelt es unserer Gesellschaft keineswegs an Aufgaben.

Wir müssen unsere Infrastruktur modernisieren, Wasser speichern, Landschaften renaturieren, Wohnungen bauen, die Energieversorgung umbauen, Pflege und Bildung stärken und neue Technologien entwickeln.

Arbeit gibt es mehr als genug.

Die eigentliche Herausforderung lautet:

Wie finanzieren wir diese Arbeit dauerhaft, wenn das Geldsystem auf immer neue Verschuldung angewiesen bleibt, während gleichzeitig die natürlichen Wachstumsgrenzen immer deutlicher werden?

Mein Ansatz: Das JiT-Einkommen

Aus genau dieser Fragestellung heraus habe ich das Konzept des JiT-Einkommens (Just-in-Time-Einkommen) entwickelt.

Der Grundgedanke besteht darin, Einkommen nicht mehr ausschließlich an eine ständig steigende Verschuldung zu koppeln, sondern direkt an den tatsächlichen Austausch von Waren und Dienstleistungen.

Das JiT-Einkommen würde erst in dem Moment aktiviert, in dem eine reale Nachfrage auf ein reales Angebot trifft. Kaufkraft entstünde somit nicht auf Vorrat und nicht durch zusätzliche Kreditaufnahme, sondern unmittelbar im Zusammenhang mit einem tatsächlichen wirtschaftlichen Vorgang.

Dadurch würden mehrere Probleme gleichzeitig entschärft:

  • Unternehmen müssten deutlich weniger Kredite aufnehmen.
  • Die Gesellschaft insgesamt könnte ihre Verschuldung erheblich reduzieren.
  • Kaufkraft bliebe unmittelbar mit realer Wertschöpfung verbunden.
  • Inflationäre Entwicklungen durch ungedeckte Geldschöpfung könnten begrenzt werden.
  • Kleine und mittelständische Unternehmen würden gestärkt, weil überall dort Kaufkraft entstehen könnte, wo tatsächlich produziert und geleistet wird.

In Verbindung mit meiner 60/30/10-Regel würde daraus ein Einkommenssystem entstehen, das nach meiner Vorstellung dauerhaft tragfähiger wäre als ein ausschließlich kreditbasiertes Schuldgeldsystem.

Zeit für eine offene Debatte

Ich bin überzeugt, dass wir uns heute zu stark auf die Symptome konzentrieren und zu selten die eigentlichen Ursachen hinterfragen.

Wir diskutieren über Inflation, Staatsschulden, Unternehmensinsolvenzen, Sozialausgaben und Wirtschaftswachstum.

Doch deutlich seltener stellen wir die grundlegende Frage, ob ein Geldsystem, das dauerhaft auf steigender Verschuldung und unbegrenztem Wachstum basiert, unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts überhaupt noch langfristig funktionieren kann.

Vielleicht liegt genau hier der entscheidende Denkfehler unserer Zeit.

Nicht weil unser heutiges System in der Vergangenheit grundsätzlich falsch gewesen wäre – sondern weil sich seine historischen Voraussetzungen grundlegend verändern.

Wenn Energie knapper, Rohstoffe begrenzter und natürliche Lebensräume schützenswerter werden, dann genügt es nicht mehr, alte Finanzmechanismen immer weiter zu beschleunigen.

Dann brauchen wir den Mut, auch über neue Geld- und Einkommenssysteme nachzudenken.

Nicht ideologisch.

Nicht parteipolitisch.

Sondern wissenschaftlich, offen und ohne Denkverbote.

Denn nur wenn wir bereit sind, die eigentlichen Ursachen unserer Krisen zu verstehen, können wir Lösungen entwickeln, die auch den kommenden Generationen eine stabile wirtschaftliche Zukunft ermöglichen.

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