Das JiT-Einkommen – Ein neues Fundament für Einkommen, Wertschöpfung und Wirtschaft
5.1 Ausgangspunkt
Unser heutiges Geld- und Einkommenssystem basiert überwiegend auf kreditfinanzierter Geldschöpfung. Unternehmen nehmen Kredite auf, investieren, produzieren Waren und Dienstleistungen und zahlen daraus Löhne, Gehälter sowie Gewinne. Mit jedem zusätzlichen Kredit steigt jedoch gleichzeitig die Verschuldung der Gesellschaft.
Das JiT-Modell verfolgt einen anderen Ansatz. Es stellt nicht die Marktwirtschaft infrage, sondern ergänzt sie um einen zweiten Einkommensmechanismus. Ziel ist es, Kaufkraft und reale Wertschöpfung unmittelbar miteinander zu verbinden und den Kreditbedarf der Wirtschaft deutlich zu reduzieren.
5.2 Zwei Einkommensarten
Das JiT-Modell unterscheidet zwischen zwei Einkommensarten:
Das JiT-Einkommen
Das JiT-Einkommen dient der Grundversorgung der Bevölkerung mit Kaufkraft.
Es besitzt eine entscheidende Besonderheit:
Das JiT-Einkommen kann ausschließlich in Verbindung mit einem real vorhandenen Waren- oder Dienstleistungsangebot aktiviert werden.
Ohne Angebot erfolgt keine Aktivierung.
Ohne tatsächlichen Leistungsaustausch entsteht kein JiT-Einkommen.
Es handelt sich deshalb nicht um frei verfügbares Geld, sondern um ein einkommensbezogenes Aktivierungsrecht, das erst beim tatsächlichen Kauf einer Ware oder Dienstleistung wirksam wird.
Damit bleibt jede Aktivierung unmittelbar an reale wirtschaftliche Wertschöpfung gekoppelt.
Das Leistungseinkommen
Das Leistungseinkommen entspricht dem klassischen Einkommen der heutigen Marktwirtschaft.
Unternehmen finanzieren Investitionen, Innovationen sowie leistungsbezogene Einkommen weiterhin über Kredite oder Eigenkapital.
Löhne, Gehälter, Unternehmervergütungen und leistungsabhängige Einkommen werden wie bisher entsprechend der erbrachten Wertschöpfung ausgezahlt.
Die Leistungsorientierung der sozialen Marktwirtschaft bleibt somit vollständig erhalten.
5.3 Die Geldströme
Im JiT-Modell entstehen zwei unterschiedliche Geldströme.
Der erste Geldstrom umfasst das JiT-Einkommen.
Dieser wird ausschließlich beim tatsächlichen Erwerb einer Ware oder Dienstleistung aktiviert.
Der zweite Geldstrom umfasst das Leistungseinkommen.
Er entsteht wie bisher über Investitionen der Unternehmen und deren Finanzierung.
Beide Geldströme ergänzen sich und erfüllen unterschiedliche Aufgaben innerhalb derselben Volkswirtschaft.
5.4 Auswirkungen auf den Kreditbedarf
Da ein erheblicher Teil der allgemeinen Kaufkraft über das JiT-Einkommen bereitgestellt wird, müssen Unternehmen künftig nur noch den leistungsbezogenen Einkommensanteil finanzieren.
Dadurch sinkt der notwendige Kreditbedarf der Wirtschaft erheblich.
Mit sinkendem Kreditvolumen reduzieren sich langfristig auch:
- die Zinsbelastung,
- der Kapitaldienst,
- die Verschuldung der Unternehmen,
- die Staatsverschuldung sowie
- die Gesamtverschuldung der Gesellschaft.
Die frei werdenden finanziellen Mittel können stattdessen für Innovationen, Investitionen und den Aufbau nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen genutzt werden.
5.5 Warum das JiT-Einkommen keine Inflation erzeugen soll
Ein häufig genannter Einwand lautet:
Führt zusätzliche Kaufkraft nicht zwangsläufig zu Inflation?
Das JiT-Modell beantwortet diese Frage mit seinem Grundprinzip:
Das JiT-Einkommen kann ausschließlich aktiviert werden, wenn bereits ein konkretes Waren- oder Dienstleistungsangebot vorhanden ist.
Die Kaufkraft entsteht somit nicht unabhängig von der Wirtschaft, sondern gleichzeitig mit einem realen Leistungsaustausch.
Dadurch wird verhindert, dass dauerhaft Kaufkraft ohne entsprechendes Angebot in Umlauf gelangt.
Nicht eine beliebige Ausweitung der Geldmenge steht im Mittelpunkt, sondern die Synchronisierung von Angebot, Nachfrage, Einkommen und Wertschöpfung.
5.6 Eine neue wirtschaftliche Perspektive
Das JiT-Einkommen versteht sich nicht als Ersatz der sozialen Marktwirtschaft.
Es erweitert sie um einen zweiten Einkommensmechanismus.
Während das Leistungseinkommen weiterhin Leistung, Innovation und unternehmerisches Handeln honoriert, sorgt das JiT-Einkommen für eine stabile, nachhaltige und an reale Wertschöpfung gekoppelte Grundkaufkraft.
Dadurch könnten wirtschaftliche Krisen abgeschwächt, Strukturwandel besser begleitet und die Kreditabhängigkeit der gesamten Volkswirtschaft deutlich reduziert werden.
Das langfristige Ziel besteht in einer Wirtschaftsordnung, in der Einkommen, Kaufkraft, Wertschöpfung und ökologische Nachhaltigkeit wieder in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden.
