Wohlstand entsteht nicht durch Geld allein
Geld besitzt aus sich heraus keinen realen Wert. Weder eine Banknote noch eine digitale Zahl auf einem Konto kann Menschen ernähren, Häuser bauen, Wärme erzeugen oder medizinische Versorgung gewährleisten. Der Wert des Geldes beruht letztlich auf dem Vertrauen, damit auf reale Leistungen, Güter, Energie, Rohstoffe und Wissen zugreifen zu können.
Auch die Geldmenge und die Möglichkeiten der Geldschöpfung stehen deshalb nicht losgelöst von der realen Welt. Sie gründen auf der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft und damit auf ihrem Zugriff auf Ressourcen, Energie, Technologien und menschliches Wissen.
Das gilt in besonderer Weise für den US-Dollar als internationale Leit- und Reservewährung. Seine Stellung beruht nicht nur auf dem Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft und ihre Institutionen, sondern ebenso auf wirtschaftlicher, technologischer, politischer und militärischer Macht. Dazu gehört auch der weltweite Zugriff auf Rohstoffe und insbesondere auf fossile Energieträger, in denen über Jahrmillionen entstandenes energetisches Potenzial gespeichert ist.
Erdöl, Erdgas und Kohle waren und sind wesentliche Grundlagen der industriellen Entwicklung. Sie treiben Maschinen an, ermöglichen Transporte, versorgen Produktionsanlagen mit Energie und bilden die Basis unzähliger Produkte. Auf diesem energetischen Fundament entstand ein erheblicher Teil unseres heutigen Wohlstands.
Doch materielle Ressourcen und fossile Energie sind nur ein Teil der Grundlage. Ebenso entscheidend ist der Zugriff auf innovative Technologien und vor allem auf Wissen – also auf das geistige Potenzial der Menschen.
Wissen ist eine zentrale Zukunftsressource
Ideen, Forschung, Erfindungen und technische Fähigkeiten bestimmen maßgeblich, wie effizient eine Gesellschaft mit Energie und Rohstoffen umgehen kann. Wissen entscheidet darüber, ob vorhandene Ressourcen lediglich verbraucht oder in intelligenten Kreisläufen mehrfach genutzt werden.
Damit beeinflussen Energie, Rohstoffe, Technologien und geistiges Potenzial unmittelbar die Entwicklung einer Gesellschaft. Von ihnen hängen Produktivität, wirtschaftliche Stabilität, Einkommen, Wohlstand und nicht zuletzt die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger ab.
Das eigentliche Problem lautet jedoch:
Diese Zugriffe sind keinesfalls dauerhaft gesichert.
Fossile Energieträger stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Leicht erschließbare Lagerstätten werden seltener, während Förderung und Verarbeitung technisch aufwendiger werden können. Gleichzeitig zwingt uns der Klimawandel, die Nutzung fossiler Energien drastisch zu reduzieren. Denn die Biosphäre kann nicht unbegrenzt mit den Folgen eines Wirtschaftssystems belastet werden, das auf fortwährenden Verbrauch und ständig steigenden Ressourcendurchsatz angewiesen ist.
Mit der Abnahme leicht verfügbarer Energiereserven, der Schädigung natürlicher Lebensgrundlagen und den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels werden die Voraussetzungen unseres heutigen Wirtschafts- und Geldsystems immer unsicherer.
Die logische Folge ist: Die realen Grundlagen der gegenwärtigen Geld- und Einkommensschöpfung geraten zunehmend unter Druck.
Wir können zwar weiterhin Geld durch Kredit erzeugen. Doch wir können damit keine zusätzlichen Rohstoffe, keine intakten Ökosysteme und kein neues energetisches Potenzial erschaffen. Wächst die Geldmenge, ohne dass ihr eine entsprechende reale und nachhaltig verfügbare Leistung gegenübersteht, entstehen Verteilungskämpfe, Preissteigerungen, Verschuldung und wirtschaftliche Instabilität.
Geldschöpfung kann die Wirklichkeit abbilden und wirtschaftliche Prozesse ermöglichen. Sie kann die natürlichen und energetischen Grundlagen dieser Prozesse aber nicht ersetzen.
Was also ist zu tun?
Wir als Weltgemeinschaft sollten uns schnellstmöglich auf eine andere, stimmigere und insbesondere lebensbejahende Form der Geld- und Einkommensschöpfung verständigen.
Eine solche Ordnung darf nicht länger überwiegend darauf beruhen, möglichst viele Ressourcen in möglichst kurzer Zeit zu fördern, zu verarbeiten, zu verbrauchen und schließlich als Abfall in die Umwelt zurückzugeben. Denn ein System, das Einkommen vor allem durch wachsenden Verbrauch erzeugt, ist darauf angewiesen, immer neue Natur- und Energiereserven zu erschließen.
Die entscheidende Frage muss deshalb lauten:
Wie können Geld und Einkommen auf der Grundlage wirklich nachhaltiger energetischer und wirtschaftlicher Prozesse entstehen?
Eine zukunftsfähige Geldordnung müsste wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen verbinden. Sie müsste nicht den maximalen Verbrauch, sondern den intelligenten Umgang mit Energie, Rohstoffen, Wissen und menschlicher Arbeitskraft fördern.
Genau an diesem Punkt setzt das Junktim aus der 60/30/10-Regel und der Energiemehrwegtechnologie an.
Die 60/30/10-Regel als neue Einkommensordnung
Die 60/30/10-Regel verfolgt den Gedanken, das innerhalb einer Volkswirtschaft entstehende Einkommen nach transparenten und verbindlichen Grundsätzen zu verteilen:
- 60 Prozent für ein JiT-Einkommen der Bevölkerung,
- 30 Prozent für die gemeinschaftlichen und staatlichen Aufgaben,
- 10 Prozent als zusätzliches Leistungseinkommen.
Das JiT-Einkommen – das Just-in-Time-Einkommen – wird dabei nicht unabhängig von der realen Wirtschaft ausgeschüttet. Es wird in dem Augenblick aktiviert, in dem ein Mensch tatsächlich eine Ware oder Dienstleistung erwirbt. Geld, Bedarf, Kaufkraft und Wertschöpfung werden dadurch unmittelbar miteinander verbunden.
Das Einkommen steht nicht lediglich als abstrakte Geldmenge im Raum, sondern wird durch einen realen wirtschaftlichen Vorgang wirksam. Es fließt direkt in die Wertschöpfung und kann dadurch Nachfrage, Produktion und Versorgung miteinander synchronisieren.
Die 60/30/10-Regel könnte somit eine nachvollziehbare Verbindung zwischen gesellschaftlicher Gesamtleistung, öffentlicher Finanzierung, individueller Teilhabe und besonderer wirtschaftlicher Leistung herstellen.
Doch auch die beste Einkommensordnung benötigt eine tragfähige energetische Grundlage.
Energiemehrweg statt Energieeinweg
Hier kommt die Energiemehrwegtechnologie ins Spiel.
Unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem beruht überwiegend auf einer Energieeinwegwirtschaft. Energie wird gewonnen, umgewandelt, einmal genutzt und anschließend in einer Form an die Umwelt abgegeben, in der sie kaum noch wirtschaftlich nutzbar ist. Ständig muss neues energetisches Potenzial bereitgestellt werden.
Die Energiemehrwegtechnologie stellt diesem Prinzip eine andere Denkweise entgegen: Energie soll innerhalb miteinander verbundener Prozesse möglichst lange nutzbar bleiben. Druck, Bewegung, Wärme, Kälte und Lageenergie werden nicht isoliert betrachtet, sondern systematisch gekoppelt, gespeichert und mehrfach eingesetzt.
Was bei einem Prozess als Nebenprodukt oder energetisches Restpotenzial anfällt, könnte in einem anderen Prozess erneut genutzt werden. Bremsenergie könnte beim Anfahren helfen, Abwärme könnte weitere Aufgaben übernehmen, Druckluft könnte gespeichert und später wieder eingesetzt werden. Entscheidend ist, energetische Qualität nicht vorschnell zu vernichten, sondern sie möglichst lange in Kreisläufen zu erhalten.
Damit würde nicht der fortwährende Zugriff auf neue Energieträger, sondern die intelligente Mehrfachnutzung vorhandenen energetischen Potenzials zu einer wesentlichen Grundlage wirtschaftlicher Entwicklung.
Ein neues Junktim von Energie, Wirtschaft und Einkommen
Die 60/30/10-Regel und die Energiemehrwegtechnologie gehören deshalb zusammen.
Die Energiemehrwegtechnologie kann die reale, physikalische und technische Grundlage einer ressourcenschonenden Wirtschaft schaffen. Die 60/30/10-Regel kann dafür sorgen, dass die daraus entstehende Wertschöpfung nachvollziehbar verteilt wird und allen Menschen gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.
Das eine betrifft die Frage:
Wie erzeugen und nutzen wir wirtschaftliche Leistung?
Das andere beantwortet die Frage:
Wie entstehen daraus Einkommen, öffentliche Handlungsfähigkeit und gesellschaftlicher Wohlstand?
Aus diesem Junktim könnte eine erweiterte Form der Geld- und Einkommensschöpfung hervorgehen. Eine Geldschöpfung, die nicht mehr vorrangig auf Schulden, Ressourcenverbrauch und ständigem Wirtschaftswachstum beruht, sondern auf realen Leistungen, intelligenten Energiekreisläufen und einer verbindlichen Beteiligung der gesamten Gesellschaft.
Geld wäre dann nicht länger der eigentliche Antrieb, dem Natur, Mensch und Technik untergeordnet werden. Es würde wieder zu dem werden, was es sein sollte: ein gesellschaftliches Instrument zur Organisation und Verteilung realer, lebensdienlicher Leistungen.
Wohlstand braucht eine neue Grundlage
Die Zukunft der Weltgemeinschaft kann nicht dauerhaft auf dem Wettlauf um die letzten leicht verfügbaren Rohstoffe und Energiereserven beruhen. Auch keine Leitwährung kann auf Dauer Stabilität garantieren, wenn die materiellen, energetischen und ökologischen Grundlagen der Weltwirtschaft schwinden.
Wir müssen deshalb den Geldwert wieder stärker mit dem verbinden, was eine Gesellschaft tatsächlich trägt: mit realer Leistung, verfügbarem energetischem Potenzial, menschlichem Wissen, intakten Lebensgrundlagen und einer gerechten Teilhabe an der gemeinsamen Wertschöpfung.
Das Junktim aus 60/30/10-Regel und Energiemehrwegtechnologie kann dafür einen neuen Denk- und Entwicklungsraum eröffnen. Es verbindet eine nachhaltige Nutzung von Energie mit einer stimmigen Ordnung der Geld- und Einkommensschöpfung.
Darin liegt die Chance, Wohlstand nicht länger durch immer höheren Verbrauch zu erkaufen, sondern ihn durch Wissen, Kooperation, technologische Kreativität und den intelligenten Erhalt vorhandener Potenziale zu sichern.
Nicht nur für einzelne Staaten, sondern für die gesamte Weltgemeinschaft.
Denn eine dauerhaft stabile Währung braucht eine dauerhaft tragfähige Wirklichkeit.