Das JiT-Einkommen unterscheidet sich grundlegend von einer pauschalen Auszahlung oder einer allgemeinen Erhöhung der Geldmenge. Es wird nicht im Voraus bereitgestellt und unabhängig von der wirtschaftlichen Leistung verteilt. Seine Aktivierung ist unmittelbar an ein tatsächlich vorhandenes Waren- oder Dienstleistungsangebot gebunden.
Ohne ein konkretes Angebot kann das JiT-Einkommen nicht aktiviert werden. Erst wenn eine Ware hergestellt oder eine Dienstleistung angeboten und tatsächlich nachgefragt wird, wird der dafür erforderliche Einkommensbetrag freigegeben. Das Geld entsteht somit nicht losgelöst von der realen Wertschöpfung, sondern genau in dem Augenblick, in dem Angebot und Nachfrage zusammenfinden.
Daraus ergibt sich ein entscheidender Vorteil: Es kann keinen allgemeinen Geldüberhang geben, der allein durch eine zu große, ungedeckte Kaufkraft entsteht. Jedem aktivierten JiT-Einkommen steht grundsätzlich ein reales Waren- oder Dienstleistungsangebot gegenüber. Kaufkraft und wirtschaftliche Leistung werden miteinander synchronisiert.
Das JiT-Einkommen gelangt außerdem nicht auf Vorrat in den Wirtschaftskreislauf. Es wird nicht aktiviert, damit vielleicht irgendwann etwas gekauft wird, sondern erst durch einen konkreten Kaufvorgang. Dadurch wird verhindert, dass große Geldmengen entstehen, denen kein entsprechendes Angebot gegenübersteht.
So entsteht ein sich selbst regulierender Kreislauf:
Ohne Warenangebot keine Aktivierung.
Ohne Aktivierung keine zusätzliche Kaufkraft.
Ohne ungedeckte Kaufkraft kein allein dadurch ausgelöster Inflationsdruck.
Automatische Anpassung an Preisveränderungen
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Systems ist die automatische Anpassungsfähigkeit des JiT-Einkommens. Erhöht sich der Preis einer angebotenen Ware oder Dienstleistung, passt sich auch der aktivierbare JiT-Betrag entsprechend an – unabhängig davon, aus welchem Grund die Preiserhöhung erfolgt.
Steigen beispielsweise die Preise durch höhere Rohstoffkosten, Energieengpässe, Ernteausfälle, Lieferprobleme, Lohnsteigerungen oder andere wirtschaftliche Veränderungen, wird nicht länger ein unveränderter Geldbetrag zugrunde gelegt. Maßgeblich ist der tatsächliche Preis des real vorhandenen Angebots. Das JiT-Einkommen folgt damit automatisch der Preisentwicklung.
Auf diese Weise soll die individuelle Kaufkraft erhalten bleiben. Eine Preissteigerung führt nicht zwangsläufig dazu, dass sich die Menschen weniger leisten können, weil ihnen der entsprechende JiT-Anteil weiterhin zur Verfügung steht. Gleichzeitig wird das zusätzliche Einkommen nur dann aktiviert, wenn die betreffende Ware oder Dienstleistung tatsächlich angeboten und gekauft wird.
Nicht fehlendes Geld, sondern fehlende Leistungen setzen die Grenze
Weniger leisten können sich die Menschen innerhalb dieses Systems nur dann, wenn nicht genügend Waren oder Dienstleistungen angeboten werden – aus welchen Gründen auch immer. Die Grenze des Konsums wird damit nicht mehr durch einen allgemeinen Mangel an Kaufkraft bestimmt, sondern durch die tatsächlich verfügbaren Leistungen.
Sind ausreichend Lebensmittel, Wohnungen, Energie, Pflegeleistungen, Verkehrsmöglichkeiten und andere Güter vorhanden, kann auch das dafür benötigte JiT-Einkommen aktiviert werden. Fehlen diese Leistungen dagegen, kann zusätzliches Geld das Problem nicht lösen. Geld kann keine Wohnung bauen, keine Ernte ersetzen und keine Pflegeleistung erbringen, wenn die entsprechenden materiellen Mittel, Arbeitskräfte oder Produktionskapazitäten nicht vorhanden sind.
Reale Knappheiten können beispielsweise durch Naturkatastrophen, Ernteausfälle, Rohstoffmangel, unterbrochene Lieferketten, fehlende Fachkräfte oder unzureichende Produktionskapazitäten entstehen. In solchen Fällen müssen die Ursachen des Leistungsmangels beseitigt und die erforderlichen Kapazitäten geschaffen werden.
Damit verändert das JiT-Einkommen die entscheidende gesellschaftliche Fragestellung. Sie lautet nicht mehr vorrangig:
Ist genügend Geld vorhanden?
Sondern:
Sind genügend sinnvolle Leistungen, Waren und Produktionsmöglichkeiten vorhanden?
Der entscheidende Unterschied zum heutigen System lautet daher: Nicht zuerst wird Geld geschaffen und anschließend nach Verwendungsmöglichkeiten gesucht. Zuerst muss eine reale Leistung angeboten werden – erst dann kann das dafür erforderliche JiT-Einkommen aktiviert werden.
Das Geld folgt sowohl der Leistung als auch ihrem jeweiligen Preis. Es eilt der realen Wertschöpfung nicht voraus. Dadurch bleiben Kaufkraft, Warenangebot und Preisentwicklung unmittelbar miteinander verbunden. Der mögliche Wohlstand einer Gesellschaft wird nicht länger künstlich durch fehlendes Geld begrenzt, sondern allein durch ihre real verfügbaren Ressourcen und Leistungen.