Immer mehr Menschen stellen sich dieselben Fragen.
- Müssen unsere Wirtschafts- und Finanzsysteme grundlegend reformiert werden?
- Wem sollten Staaten in Krisenzeiten wirklich helfen – Banken, Konzernen, Unternehmen oder den Bürgerinnen und Bürgern?
- Wer oder was ist tatsächlich systemrelevant?
- Und welchen Befreiungsschlag braucht die Weltgemeinschaft, bevor die nächsten Krisen noch größere Zerstörungen anrichten?
Ich bin überzeugt:
Wir stehen nicht vor einer gewöhnlichen Wirtschaftskrise. Wir erleben die Krise eines Systems, dessen grundlegende Regeln nicht mehr zu den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts passen.
Seit Jahrzehnten wird an Symptomen herumgedoktert. Milliarden werden verteilt, Rettungsschirme gespannt, Schulden aufgenommen und immer neue Reformen angekündigt. Doch nahezu jede Reform behandelt lediglich die Folgen eines Systems, dessen eigentliche Ursachen unangetastet bleiben.
Genau deshalb kehren die Krisen immer wieder zurück – oftmals größer und komplexer als zuvor.
Ein System gegen den Menschen
Aus mathematischer und naturwissenschaftlicher Sicht ist eine grundlegende Reform längst überfällig.
Denn wir haben ein Wirtschaftssystem geschaffen,
- das den Menschen immer häufiger den Märkten unterordnet,
- das Familiengründung und Kinder nicht als Zukunft, sondern zunehmend als finanzielle Belastung erscheinen lässt,
- das Millionen Menschen trotz harter Arbeit keinen sicheren Wohlstand mehr garantieren kann,
- das Gesundheit, Bildung und soziale Stabilität immer stärker unter Kostendruck setzt,
- das natürliche Lebensgrundlagen zerstört, um kurzfristige Renditen zu maximieren,
- das wirtschaftlichen Erfolg oft nur noch an Gewinnsteigerungen misst – selbst dann, wenn dabei die Grundlagen unseres Lebens dauerhaft beschädigt werden.
Ein System, das Luft, Wasser, Böden und biologische Vielfalt verliert, kann sich nicht dauerhaft erfolgreich nennen.
Es lebt von seiner eigenen Substanz.
Der größte Irrtum unserer Zeit
Der größte Irrtum besteht darin zu glauben, Geld sei der Ursprung unseres Wohlstands.
Das Gegenteil ist der Fall.
Geld entsteht erst, wenn Menschen reale Leistungen erbringen und andere diese Leistungen nachfragen.
Ohne Menschen,
- die arbeiten,
- die forschen,
- die erfinden,
- die produzieren,
- die pflegen,
- die lehren,
- die kaufen,
- und Verantwortung übernehmen,
existiert keine Wirtschaft.
Nicht Banken halten unsere Volkswirtschaft am Leben.
Nicht Börsen.
Nicht Investmentfonds.
Nicht Ratingagenturen.
Die Bürgerinnen und Bürger halten dieses System jeden einzelnen Tag am Laufen.
Deshalb sind sie die eigentliche systemrelevante Kraft jeder Gesellschaft.
Was wirklich systemrelevant ist
Ebenso systemrelevant sind die natürlichen Grundlagen unseres Lebens.
Saubere Luft.
Sauberes Wasser.
Fruchtbare Böden.
Rohstoffe.
Die Sonnenenergie.
Diese Werte können wir nicht an der Börse erzeugen.
Kein Finanzprodukt ersetzt einen gesunden Wald.
Keine Rendite ersetzt sauberes Trinkwasser.
Keine Bilanz kann zerstörte Lebensräume zurückkaufen.
Dennoch behandeln wir genau diese Grundlagen oftmals so, als wären sie unbegrenzt verfügbar.
Das ist weder ökonomisch vernünftig noch naturwissenschaftlich nachvollziehbar.
Wem muss der Staat helfen?
Politik spricht häufig davon, systemrelevante Unternehmen retten zu müssen.
Ich frage:
Warum beginnt Systemrelevanz nicht beim Menschen selbst?
Denn wenn Bürgerinnen und Bürger ihre Leistungsfähigkeit, ihre Motivation oder ihre finanzielle Handlungsfähigkeit verlieren, bricht zwangsläufig jede Volkswirtschaft zusammen.
Die Reihenfolge müsste deshalb eigentlich eindeutig sein:
Zuerst der Mensch.
Dann die Wirtschaft.
Und erst danach die Finanzmärkte.
Heute erleben wir häufig genau die umgekehrte Reihenfolge.
Der eigentliche Befreiungsschlag
Die Menschheit braucht keine weiteren Rettungspakete für ein fehlerhaftes System.
Sie braucht neue Spielregeln.
Ich sehe dafür drei entscheidende Schritte.
Erstens:
Einen offenen internationalen Ideen- und Konzeptwettbewerb.
Nicht politische Ideologien sollten gegeneinander antreten, sondern nachprüfbare Lösungen.
Zweitens:
Die Einführung der 60/30/10-Regel mit einem JiT-Einkommen, das Einkommen unmittelbar mit realen Wirtschaftsprozessen verbindet und Kaufkraft dort entstehen lässt, wo tatsächliche Wertschöpfung stattfindet.
Drittens:
Die Entwicklung einer Energiemehrwegtechnologie, die Energie nicht länger verschwenderisch verbraucht, sondern sie möglichst lange in intelligenten Kreisläufen nutzbar macht.
Die eigentliche Entscheidung
Wir stehen heute an einem historischen Wendepunkt.
Entweder wir versuchen weiterhin, ein System zu stabilisieren, dessen innere Widersprüche immer offensichtlicher werden.
Oder wir beginnen endlich damit, ein neues Wirtschaftsmodell zu entwickeln, das den Menschen, die Natur und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wieder miteinander versöhnt.
Die Geschichte zeigt:
Große Veränderungen beginnen niemals mit Mehrheiten.
Sie beginnen mit Menschen, die den Mut haben, die richtigen Fragen zu stellen.
Ich glaube, dass dieser Zeitpunkt jetzt gekommen ist.
Nicht irgendwann.
Nicht nach der nächsten Krise.
Jetzt.
Denn jede Generation trägt Verantwortung dafür, welchen Zustand sie der nächsten Generation hinterlässt.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der wirtschaftlicher Erfolg nicht länger an der Höhe der Rendite gemessen wird, sondern daran, ob unsere Kinder in einer friedlichen, gesunden und lebenswerten Welt aufwachsen können.
Das ist für mich die eigentliche Definition von Wohlstand.
Eckhard Bock
IKS Hessen – Ideen- & Konzept-Schmiede Hessen